Interview mit Ruth Grube

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Viele Manuskripte flattern in den Briefkasten des Grube Verlags in Voßheide. Gründerin Ruth Grube hat ihren „Traum“ von einem sozialverträglichen und umweltfreundlichen „Fairlag“ verwirklicht.






Lemgo-Voßheide. Ruth Grube ist 1955 in Ostpreußen (heute Mragowo/Polen) geboren. Sechs Jahre später siedelte sie mit ihrer Familie nach NRW um. Die Industriekauffrau war als kaufmännische Angestellte, Buchhalterin und Sekretärin tätig. 2009 gründete sie den Grube Verlag. Von Voßheide, ihrer zweiten Heimat, bringt die 56-Jährige gemeinsam mit Sohn Marc Grube (Öffentlichkeitsarbeit) und Tochter Maren Trosien (Cheflektorat) Bücher auf den Markt.

Wie kamen Sie auf die Idee, einen eigenen Verlag zu gründen?
Ruth Grube: Es reizte mich die Chance, selbstständig zu sein. Der Gedanke, eigene Einfälle, Pläne und Absichten im eigenen Unternehmen zu verwirklichen, gefiel mir. Außerdem war es mein Traum. Als ich ihn allein träumte, blieb es nur ein Traum. Als wir ihn gemeinsam träumten, wurde er Wirklichkeit. Da kamen mehrere Talente in unserer Familie zusammen. Ein Gefühl für Sprache sowie den Umgang mit den Medien. Im Umfeld kamen literarisches Geschick und Kreativität hinzu.

Was verlegen Sie genau?
Grube: Bücher, e-books, Hörbucher und Taschenbücher. Zurzeit das neue Buch von Niko Wacker als gebundene Ausgabe und e-book. Im nächsten Schritt folgt das Hörbuch und zuletzt das Taschenbuch.In Niko Wackers Buch geht es um eine moderne Auslegung und Betrachtung des Bibeltextes. Außerdem gibt es eine neue Autorin, die unter dem Pseudonym „Heidi Ohne-Peter“ tätig ist und in ihrem Werk ein Frauenschicksal in der DDR beschreibt. Zurzeit arbeiten wir auch mit Anke Pethig an einem Jugend- und Kinderbuch. Dieses Genre ist mir eine Herzensangelegenheit. Meiner Meinung nach gehören das Fach „Wirtschaft “und „Finanzen“ schon in die Grundschule. Anke Pethig behandelt Aspekte wie Politik, Wirtschaft und Geschichte in Bezug zum Mauerfall. So etwas fehlt auf dem Markt.

Ist es schwer für Sie, sich neben großen Verlagen zu etablieren?
Grube: Ich denke, jedes Unternehmen hat klein angefangen. Der Buchmarkt ist jedoch sehr freundlich und gerade die kleinen, unabhängigen Verlage beleben die Landschaft. Außerdem liegt es an jedem selbst. Man hat außerdem den Vorteil gegenüber großen Verlegern, schnell etwas verändern zu können, ohne den Trends des Markts nachlaufen zu müssen. Man muss keinen Bestseller nach dem Nächsten produzieren. Aber über einen Bestseller würden wir uns trotzdem sehr freuen (lacht).

pressespiegel lz 15 02 2012 Wie gewinnen Sie Autoren für sich?
Grube: Durch unser Angebot.Wir treten persönlich mit den Autoren in Kontakt und pflegen die Zusammenarbeit.Wir begleiten die Autoren durch das Projekt und bei Lesungen oder auf Messen – wir sind immer dabei. Auch wenn es um Organisationen im Wohnort geht, versuchen wir viel möglich zu machen. Außerdem lege ich Wert darauf, dass wir gemeinsam einen Gewinn ziehen. Wir haben auf dem Weg festgestellt, dass Autoren einen Verlag suchen, der sie fair behandelt. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch unsere Unternehmensphilosophie.Wir legen Wert auf die umweltfreundliche und sozialverträgliche Umsetzung unserer Projekte.

Was unterscheidet gute und schlechte Manuskripte?
Grube: Für mich gibt es weder gute noch schlechte Manuskripte.Es gibt nur Manuskripte. Jede Geschichte, Person und Situation ist einmalig und kann deshalb unmöglich mit einer anderen verglichen werden. Das Schreiben ist ein Handwerk, das einem nicht in die Wiege gelegt wird. Man muss es erlernen. Im Belletristikbereich müssen die Charakter authentisch wirken. Spannende Wendungen gefallen jedem Leser. Jeder Autor hat die Chance, besser zu werden. Und ich denke, mit unserer Hilfe – besonders aus dem Lektorat – kann das schnell gelingen.

Sind Sie auf Buchmessen vertreten?
Grube: Bisher nehmen wir an der Gemeinschaftspräsentation kleinerer, unabhängiger Verlage in Frankfurt und Leipzig teil – auch dieses Jahr. Auch sind die Teilnahme an Kinder und Jugendbuchmessen in Planung, da sich unser Verlagsprogramm dahingehend erweitert hat.

Was ist im Lesemarkt aktuell angesagt?
Grube: Zufälliger- und lustigerweise ist das beliebt, was wir gerade verlegen: Familiengeschichten aus der DDR-Zeit sind seit einem Jahr ein großer Erfolg. Ansonsten gibt es eine Rückkehr zur Romantik mit Fantasy-Aspekten. Beliebt sind ferner Krimi-Romane aus dem Norden: Schweden, Norwegen und Dänemark. Da denke ich zum Beispiel an Stieg Larsson.

Die Fragen stellte LZ-Mitarbeiterin Nicole Reinfeld.
Text und Foto: © Lippische Landeszeitung

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